Vom Kulturdialog zu den Kulturtagen - ein Werkstatt-Bericht
Einleitung
Die Stadt Stutensee ist ein Kind der Kommunalreform in Baden-Württemberg. Aus vier ehemals selbständigen Gemeinden wurde im Jahre 1975 die neue Stadt gebildet. Ein über die Jahrzehnte wichtiges Ziel der kommunalpolitisch Verantwortlichen war und ist es, die Identität der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt zu fördern. Mit der Vorbereitung und Durchführung der diesjährigen Kulturtage wurde in der Stadt ein neuer Weg beschritten. Alle relevanten Gruppen, Initiativen, Einrichtungen, Vereine und Schlüsselpersonen der Kulturarbeit in Stutensee sowie alle kulturschaffenden und kulturinteressierten Bürgerinnen und Bürger der Stadt wurden eingeladen, durch bürgerschaftliches Engagement die Kulturtage 2002 mitzuplanen und zu gestalten. Den Auftakt hierfür bildete der sog. Kulturdialog. Während dieser eintägigen Zukunftskonferenz haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Ideen und Vorschläge für Kulturprojekte in Stutensee entwickelt, die nach Abschluss des Kulturdialogs weiterbearbeitet wurden und an den Kulturtagen zur Aufführung gekommen sind. Dabei ist ein vielfältiges Programm für alle Altersgruppen entstanden. Mit diesem Vorgehen knüpfte die Stadt an eine Reihe anderer Projekte an, die der Förderung und Stärkung ehrenamtlicher Tätigkeit dienen.
Vom Kulturdialog zu den Kulturtagen
In Stutensee finden jedes Jahr eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller
Veranstaltungen und Ereignisse statt. Sie werden in erheblichem Umfang ehrenamtlich
von den Vereinen, Gruppen und Initiativen in Stutensee gestaltet, organisiert
und durchgeführt. Seit 1994 gibt es zudem alle zwei Jahre die sog. Kulturtage.
Sie sind als besonderer kultureller Höhepunkt gedacht und fanden bislang
jeweils an einem Wochenende im Frühjahr in der Festhalle der Stadt unter
Beteiligung örtlicher und regionaler Künstler statt.
Die Idee der Kulturtage und deren inhaltliche Ausgestaltung wurde maßgeblich
vom "Förderkreis Kultur" entwickelt, der sich im Jahr 1993 auf
Anregung des Oberbürgermeisters gebildet hatte. Die Umsetzung des Programms
lag im Wesentlichen bei der Stadtverwaltung.
Anläßlich der Vorbereitungen für die 5. Stutenseer Kulturtage
im Jahr 2002 ist das Bedürfnis nach einer Veränderung dieser Veranstaltung
deutlich geworden. Zusammen mit dem "Förderkreis Kultur" wurden
die bisherigen Kulturtage analysiert. Eine wesentliche Erkenntnis war dabei,
dass die Kulturtage keine ausreichende Verankerung bei den Vereinen und in den
verschiedenen Ortsteilen von Stutensee fanden.
Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee, zur Vorbereitung der nächsten
Kulturtage im Frühjahr 2002 alle relevanten Gruppen, Initiativen, Einrichtungen,
Vereine und Schlüsselpersonen der Kulturarbeit in Stutensee zusammenzuführen
sowie alle kulturschaffenden und kulturinteressierten Bürgerinnen und Bürger
der Stadt in die Planung und Gestaltung der Kulturtage einzubeziehen. Über
eine Vernetzung der Akteure und eine Bündelung der Aktivitäten sollten
auch neue Impulse und nachhaltige Wirkungen für das kulturelle Leben der
Stadt entstehen. Den Auftakt hierfür bildete der sog. Kulturdialog. Auf
dieser eintägigen Zukunftskonferenz sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Ideen und Vorschläge für Kulturprojekte in Stutensee entwickeln, die
nach Abschluss des Kulturdialogs weiterbearbeitet werden und dann an den Kulturtagen
zur Aufführung kommen.
Der Kulturdialog wurde von einer Steuerungsgruppe vorbereitet, in der Schlüsselpersonen aus Politik (Oberbürgermeister, Ortsvorsteher, einzelne Gemeinderäte), Kultur (Kulturschaffende mit hohem Ansehen in der Stadt) und sonstigen Gruppen (Pfarrer, Lehrer, wichtige Vereinsvertreter) mitwirkten. Die Mitglieder der Steuerungsgruppe legten die Eckpunkte des Kulturdialogs fest, unter anderem auch das Motto des Kulturdialogs und der Kulturtage "Kultur-Fest in unserer Hand". Sie haben zudem in ihrem Umfeld weitere Multiplikatoren für die Teilnahme am Kulturdialog geworben.
Vervollständigt wurde die Projektorganisation durch eine Projektgruppe, die die Durchführung des Kulturdialogs und die Kulturtage konkret vorbereitete. Diese Gruppe bestand aus Mitgliedern des "Förderkreises Kultur" und wurde um Teilnehmer des Kulturdialogs erweitert, die als Verantwortliche ein Projekt für die Kulturtage vorbereiteten. Die Koordination des Gesamtprozesses bis zum Kulturdialog und die weitere Vorbereitung der Kulturtage lag beim Bürgermeister und zwei Verwaltungsmitarbeiterinnen.
Der Kulturdialog
Der Kulturdialog fand an einem Samstag im September 2001 statt. Es war ein kreativer, phantasiereicher und unterhaltsamer Tag. Er wurde von zwei erfahrenen externen Moderatoren begleitet. Sie haben uns mit Geschick und Charme auch über schwierigere Passagen hinweggeholfen. Eingeladen worden war durch ein persönliches Anschreiben, durch mehrfache Berichterstattung in der örtlichen Presse und im Amtsblatt der Stadt, durch ausgelegte Flugblätter und die mündliche Ansprache von Personen. Teilgenommen haben etwa achtzig Bürgerinnen und Bürger aus Stutensee, vereinzelt auch aus Nachbargemeinden.
Die Veranstaltung gliederte sich in die drei typischen Abschnitte einer Zukunftskonferenz: Kritik-, Phantasie- und Realisierungs-/Projektphase. Am Anfang stand eine kritische Betrachtung der bisherigen Kulturtage. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bemängelten etwa die Begrenzung der Kulturtage auf lediglich ein Wochenende, die örtliche Beschränkung auf den größten Stadtteil Blankenloch, die zu geringe Einbindung örtlicher Künstler und Laien, aber auch des Handwerks oder der Ortsgeschichte als Thema, die fehlende Identifikation der Stutenseer Bürger mit den Kulturtagen, einen Mangel an Angeboten für alle Bürgerinnen und Bürger, um selbst kreativ zu werden, zu wenig Veranstaltungsangebote für Kinder und Jugendliche sowie eine zu defensive Werbung und Öffentlichkeitsarbeit.
Die Kritikschwerpunkte wurden anschließend in Kleingruppen zu Positivsätzen umformuliert, in der beginnenden Phantasiephase mit (schau)spielerischen Aktivitäten verdichtet und schließlich als Visionen auf Plakate gemalt. Dabei entstanden wahrhafte Kunstwerke. Eines dieser Bilder stieß auf so große Begeisterung, dass es als Werbeplakat für die Kulturtage verwendet werden sollte.
Ausgehend von diesen Bildern, die im Plenum unter großem Beifall vorgestellt wurden, begann die Realisierungsphase. Jede Gruppe betrachtete nochmals ihre Bildvision und entschied dann, welche der dargestellten Ideen verwirklicht werden sollte. Die ausgewählte Idee wurde kurz diskutiert und beschrieben, um anschließend möglichst konkrete Vorschläge zu ihrer Verwirklichung aufzuzeigen. Darüber hinaus sollten bereits erste Umsetzungsschritte dargestellt sowie das nächste Treffen der Kleingruppe zur Weiterarbeit an dem Projekt festgelegt werden. So wurden eine Reihe von Projektideen entwickelt, z.B. bestimmte Workshops, die gemeinsame Herstellung einer Skulptur durch Bürgerinnen und Bürger während der Kulturtage, Aufführungen und Workshops vokaler und instrumentaler Musik für alle Altersgruppen, eine "Galerie Hauptstraße", auf der Theater, Aktionskunst, Musik, Verhüllungen und anderes mehr auch unter Einbeziehung der Straßenbahn stattfinden soll, einen "Kulturweg", der alle Veranstaltungsorte der Kulturtage über eine gemeinsame Kennzeichnung markiert, die Erarbeitung von Themen-, Objekt- und Begegnungswegen durch die Vernetzung vorhandener Gegebenheiten, die Werbung für die Kulturtage unter Einbeziehung verschiedener Medien und Werbeträger einschließlich der Veranstaltungsankündigungen durch einen Büttel, der durch die Ortsteile zieht.
Im Aufzeigen erster konkreter Umsetzungsschritte für die Projektideen und bei der Festlegung eines Termins zur Weiterarbeit in den Kleingruppen nach Abschluss des Kulturdialogs, lag die größte Herausforderung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Damit verpflichteten sie sich wirklich, am Programm der Kulturtage selbst aktiv mitzuarbeiten. Einige der Projektideen, wie etwa der "Kulturweg" oder die Werbung für die Kulturtage, waren zudem von der Vorarbeit anderer Teilnehmer abhängig, bevor sie weitergeführt werden konnten. Es war deshalb ein großer Erfolg, dass sich zwei Kleingruppen zur Weiterarbeit verabredeten und sich insgesamt rund dreißig Personen aus dem Kulturdialog ständig in die Projektgruppe zur Vorbereitung und Durchführung der Kulturtage eingebracht und auch teils die Verantwortung für einzelne Projekte übernommen haben.
Der offizielle Teil des Kulturdialogs endete mit einer Feedback-Runde, in der sich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer zufrieden, manche gar erstaunt über so viel Produktivität trotz - oder gerade wegen (?) - des fehlenden "Arbeitscharakters" äußerten, was sie nicht zuletzt auf die professionelle Moderation zurückführten. Die persönlichen Eindrücke einiger Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Kulturdialog sind am Ende dieses Berichts zusammengefasst.
Einen schönen Abschluss dieses ereignisreichen Tages bildete das gemeinsame Abendessen, zu dem die Stadt eingeladen hatte. In gelöster Stimmung saßen Menschen zusammen, die sich vorher teilweise gar nicht kannten, und diskutierten bis spät in den Abend hinein weiter. Neben der persönlichen Begegnung wurden dabei auch die vorher erarbeiteten Projektideen weitergesponnen und es kamen völlig neue Gedanken hinzu.
Die Weiterarbeit bis zu den Kulturtagen
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Kulturdialog erhielten eine Dokumentation dieser Veranstaltung verbunden mit der erneuten Einladung, sich auch weiterhin in der Projektgruppe zur Vorbereitung der Kulturtage zu engagieren. In der ersten Projektgruppensitzung nach dem Kulturdialog wurde aus dessen Ergebnissen das "Grundgerüst" der kommenden Kulturtage festgelegt.
Sie sollten von Mitte bis Ende April 2002 in allen Stadtteilen stattfinden. Das machte schon die Fülle bereits vorhandener Programmpunkte erforderlich, auch wenn nicht alle Ideen aus dem Kulturdialog weiterverfolgt wurden. Zwischenzeitlich waren verschiedene Beiträge von Aktiven zugesichert worden. Außerdem gelang es, eine Reihe von Vereinen für die Teilnahme an den Kulturtagen zu gewinnen. Auch hatten sich Vereine zusammengetan, um gemeinsame Veranstaltungen durchzuführen.
Das Programm der Kulturtage hat für alle Altersgruppen etwas geboten. Konzerte und Musicals, Workshops zum Mitmachen, Aktionskunst, Theater, Veranstaltungen zur Ortsgeschichte, ein Mundartcafé, Begehungen und Umweltaktionen, Sport, Spiel und Spaß. Anders als in den vergangenen Jahren wurde damit der Begriff "Kultur" nicht beschränkt auf ein im engeren Sinn künstlerisches Tun, sondern vielschichtig alles einbezogen, was Menschen schaffen (können). Alle Akteure sind aus Stutensee gekommen oder unserer Stadt in besonderer Weise verbunden. Die Bevölkerung hat die "neuen" 5. Stutenseer Kulturtage honoriert. Die meisten Veranstaltungen waren sehr gut besucht, einige erwiesen sich gar als "Renner", wie z.B. die Klassikmatinée im Schloss oder ein Jazz-Frühschoppen mit jungen Künstlern.
Fazit
Mit dem Kulturdialog haben wir in unserer Stadt Neuland betreten. Aus einer kreativen, phantasiereichen und unterhaltsamen gemeinsamen Arbeit sind konkrete Ideen und Projekte entstanden, mit denen die Attraktivität der Kulturtage gesteigert wurde. Wir sind uns auch sicher, dass dieses gemeinsame Erleben und Gestalten im Kulturdialog zu einer stadtweiten kulturellen Identität und Integration beiträgt und Gemeinschaftsgefühl und Zusammengehörigkeit fördert. Diesen "Geist" und diese Energien werden wir deshalb auch für künftige Kulturtage nutzen, um im Sinne der Nachhaltigkeit unseres Tuns der Kultur in Stutensee Flügel zu verleihen.
Stimmen und Stimmungen zum Kulturdialog aus dem Teilnehmerkreis
"Der Kulturdialog brachte mir sehr positive Erfahrungen, die Conferenciers haben uns sehr professionell und mit viel Humor durch den Tag geführt.......Ich war positiv überrascht dass es so viele Teilnehmer waren." (Susanne Rauch)
"Für mich war es ein lebendiger, kreativer Tag......Die Veranstaltung war ungeheuer ideenreich, trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass wir noch konkreter geworden wären in Bezug auf die Kulturtage 2002 und einige Vorschläge schon hätten `umsetzungsreif´ ausarbeiten können. Doch wäre dafür vermutlich ein weiterer Tag nötig gewesen." (Beate Uhrig)
"Erst mal ein dickes Lob für die gelungene Veranstaltung !!! Ich empfand den Tag als sehr interessant und produktiv.....Allerdings fand ich zu wenig Senioren und keine Jugendlichen bei der Veranstaltung. Vielleicht ist es möglich, in den einzelnen Schulklassen zur nächsten Sitzung einzuladen." (Klaudia Dworschak)
".....Aus den Kleingruppen, deren Zusammensetzung auch immer wieder wechselte, kam ein wahres Feuerwerk an Ideen....Erstaunliches wurde geleistet....Diese Stimmung müsste sich doch auf die Kulturtage übertragen lassen." (Brigitte Tremper)
"Ich fand die Veranstaltung sehr gelungen und extrem kurzweilig. Ich hoffe nur, dass die Resonanz auch in Zukunft so groß sein wird, hier habe ich allerdings offen gesagt meine Zweifel. Wie ich vereinzelt mitbekommen habe, werden nicht alle so viel Zeit investieren können. Aber unterm Strich war es ein ganz großer Schritt nach vorne, ich bleibe auf jeden Fall weiter mit ganz viel Engagement dabei." (Vlado Draca)
"Positiv fand ich, dass so viele interessierte Bürger kamen, ein gutes Klima herrschte, mit Begeisterung in den Arbeitsgruppen mitgearbeitet wurde,.....der Tag mir sehr viel gebracht hat. Negativ fand ich, dass wenige Mandatsträger teilgenommen haben, Vereinsvorstände geringes Interesse zeigten, wenig sogenannte `Ureinwohner´ aus den einzelnen Stadtteilen kamen." (August Nagel)
".....Die Ergebnisse und der Verlauf des Tages haben meine Erwartungen bei weitem übertroffen......Der reichste Fundus dieses Tages war aber mit Sicherheit die große Zahl engagierter und ideenreicher Teilnehmer/innen......Dieses "Potenzial" kulturell engagierter und interessierter Bürgerinnen und Bürger, das habe ich an diesem Tag erfahren, nehmen wir immer noch zu wenig wahr. Und hier gilt es Bedingungen zu schaffen, um das bürgerschaftliche Engagement zu fördern....." (Anke Rigbers)
"Ein ereignisreicher Tag. Eine Veranstaltung mit viel Witz. Es war spannend zu erleben, wie unterschiedlich die Anwesenden/Beteiligten sich in diesen Tagesablauf einbringen konnten bzw. einbrachten......Mein Vorschlag wäre, jedes Jahr, als Einstieg in die Vorbereitung der Kulturtage, einen solchen Auftakt zu veranstalten, schon um die jetzt erkennbaren "Energien" immer wieder neu zu aktivieren und zu nutzen, auch im Sinne einer Verstetigung des Engagements der Beteiligten...." (Reinhold Richardt)
Ansprechpartner für das Projekt:
Bürgermeister Dr. Matthias Ehrlein
Fon 07244/969-201
Fax 07244/969-109
Email matthias.ehrlein@stutensee.de
Daniela Höhn
Fon 07244/969-130
Fax 07244/969-109
Email kultur@stutensee.de
Adresse:
Rathaus
Rathausstraße 1-3
76297 Stutensee