Eine Verringerung des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) ist in der Vergangenheit ein vorrangiges Ziel gewesen, trotzdem sind die Verkehrsmengen im MIV nicht zurückgegangen. Eine Verringerung scheint auch in naher Zukunft nicht möglich zu sein. Nun muss ein integriertes Konzept für den Verkehr an sich und in Verknüpfung mit der Stadtentwicklung aufgestellt werden.
Vor diesem Hintergrund wurde das Thema Verkehr diskutiert. Hierbei wurden vier Themenkomplexe berücksichtigt:
In der Diskussion wurden die unterschiedlichen Verkehrsmittel Stadtbahn, Bus (ÖPNV), Motorisierter Individualverkehr und Rad hinsichtlich der genannten Themenkomplexe geprüft.
Als erstes Thema wurde die Stadtbahnverlängerung von Blankenloch nach Friedrichstal und Spöck diskutiert, denn die Einführung der Stadtbahn bis Blankenloch hat sich für Stutensee positiv ausgewirkt. Die Arbeitsgruppe war sich einig, dass eine Verlängerung auf alle Fälle weiter zu verfolgen ist, um auch die Verbindung zwischen den nördlichen Stadtteilen und Blankenloch zu verbessern. Nachteilig wird der derzeit geplante Endpunkt in Spöck gesehen. Eine Weiterführung nach Karlsdorf und Bruchsal wird genannt. Dabei bedarf es aber allerdings der Überprüfung des derzeit angedachten Streckenverlaufs im Stadtteil Spöck.
Wichtig ist für die Arbeitsgruppe die Bedeutung der Stadtbahn als regionales Verbindungsmittel, welches Stutensee optimal in die Region einbinden muss, während die Funktion für die innerstädtischen Verbindungen als eingeschränkt eingeschätzt wird.
Es wird empfohlen, eine Einbindung des Stadtteils Staffort an das Stadtbahnnetz aufgrund des geringen wirtschaftlichen Erfolges nicht weiter zu verfolgen.
Ein weiterer Diskussionspunkt galt der Lage der Haltepunkte. Dabei wurde eine Verlegung des Haltepunktes der Bahn in Friedrichstal noch vor Realisierung der Stadtbahnverlängerung für möglich gehalten. Diese Verlegung ist finanziell nicht mit dem Neubau gekoppelt und kann daher schon jetzt zu Vorteilen aufgrund der besseren Lage führen. Das Bussystem wurde entsprechend der Verbindungsfunktionen bewertet.
Als Zubringer zur Stadtbahn und zu den benachbarten Städten ist ein ausreichendes Busangebot vorhanden. Allerdings ist ein Angebot für die innerstädtischen Verbindungen nicht ausreichend. Es gibt z.B. vom Stadtteil Staffort keine direkte Verbindungen in die anderen nördlichen Stadtteile.
Um die Verbindung innerhalb der Stadt zu verbessern wird angeregt, ein Konzept eines innerstädtischen Bussystems kurzfristig umzusetzen. Damit würde ein solches System zur Integration der Stadtteile untereinander im Sinne der Stadtentwicklungsplanung einen wesentlich Beitrag leisten und die Entwicklungen im Stadtbahnbereich unterstützen. Dieses System muss den Kriterien eines modernen Stadtbussystems, wie es in Bruchsal eingeführt worden ist, entsprechen.
Weiterhin ist vor allem für die Jugend in den Schwachlastzeiten ein Angebot zu schaffen, das Ihnen ermöglicht, z.B. in den Abendstunden, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Es könnte über die Einführung eines Rufbussystems o.ä. nachgedacht werden, das eine Verbindung der Stadtteile untereinander sowie in die umliegenden Städte und Gemeinden in diesen Schwachlastzeiten sichert.
Drittes Thema war der motorisierte Individualverkehr. Im überregionalen und regionalen Straßennetz wurde einhellig festgestellt, dass die Versorgung von Stutensee mit seinen Umgehungsstraßen gut ist. Allerdings sind durch den Bau der Umgehungsstraßen die direkten Verbindungen zwischen den Stadtteilen oftmals weggefallen, so dass heute Umwege in Kauf genommen werden müssen.
Die Bedeutung der regionalen und überregionalen Anbindung in Stutensee für Handel und Gewerbe ist wichtig, so dass von Seiten der Stadt die Auswirkungen und Konsequenzen des Baus der Nordtangente Karlsruhe sowie eines neuen Autobahnanschlusses zwischen Durlach und Bruchsal untersucht werden sollte.
In Blankenloch wird zur Beruhigung der innerstädtischen Situation und besseren Erreichbarkeit über weitere Anbindungen sowohl westlich als auch östlich an das regionale Netz nachgedacht. Eine intensive Untersuchung mit Konflikten im Natur- und Landschaftsschutz ist dabei allerdings unabdingbar. Diese Umgehungen sollten als Optionen offen gehalten werden, ohne dass jetzt konkrete Baumaßnahmen verfolgt werden.
Im Bereich des innerstädtischen Verkehrs wurde vor allem auf die Problematik der Hauptstraße in Blankenloch abgehoben. Dabei sind einerseits die teilweise unkoordinierten Parkvorgänge als Problem und Hindernis für schwächere Verkehrsteilnehmer festzuhalten und andererseits die beengten Verhältnisse, die durch die Stadtbahntrasse entstehen. Eine Umstrukturierung des Parkraums und des Radverkehrsangebotes ist somit notwendig.
Zweites Verkehrsproblem in der Hauptstraße ist der Konflikt mit dem Ziel aus den anderen Arbeitsgruppen, welches die Schaffung einer Ortsmitte zwischen Rathaus und Neuem Markt sowie entlang der Hauptstraße in diesem Bereich vorsieht. Dafür muss eine Verkehrsreduzierung erreicht werden. Doch dies scheint ohne Ausweisung alternativer Wegestrecken nicht erreichbar.
Ein drittes Problem in der Hauptstraße betrifft den Konflikt der Vorrangsignalisierung der Stadtbahn. Hier ist über eine städtebaulich vernünftige Lösung nachzudenken, um die Behinderung im fließenden Verkehr zu reduzieren.
Im Bereich von Friedrichstal ist über eine Umgestaltung des Straßenraums innerorts nach Fertigstellung der Ostumfahrung zu diskutieren. Es ist in diesem Bereich eine städtebauliche Lösung zu erarbeiten, die eine Reduzierung des heute vorhandenen Durchgangsverkehrs in der Wallonenstraße erreicht.
Das letzte Thema beschäftigte sich mit dem Fuß- und Radverkehr. Die Arbeitsgruppe war sich einig, dass in Stutensee ein gutes Radwegenetz vorhanden ist. Allerdings ist das Wegenetz hinsichtlich vorhandener Schwachstellen zu überprüfen. Probleme gibt es hier bei Querungen über hoch belastete Straßen und bei der Qualität und Sicherheit der Radwege vor allem in den Außenbereichen auf den Verbindungswegen zwischen den Stadtteilen. Auch ist an vielen Ortseingängen über eine sichere Führung der Radfahrer nachzudenken, da hier häufig Konfliktpunkte mit dem MIV aber auch mit den Fußgängern entstehen.
Für innerstädtische Fußwegeverbindungen sollte ein Konzept entworfen werden, das sichere und direkte Wege u.a. in die zentralen Lagen ermöglicht.
Es wurde angeregt, ein Konzept für Radfahrer bzw. Fußgänger zu entwerfen. Dieses kann im Rahmen eines Agendaprojektes stattfinden und von einer Agendagruppe betreut werden.
Grundsätzlich besteht Einigkeit, dass nur integrierte Gesamtverkehrskonzepte für jeden Stadtteil zu einem befriedigenden Ergebnis im Verkehrsbereich führen können, denn losgelöste Einzelkonzepte lassen keine wirklichen Verbesserungen erwarten.
Es muss allerdings gesagt werden, dass die Diskussionen sehr kontrovers geführt wurde und die Zielkonflikte zwischen optimalem Verkehrsangebot, Spielraum in der Finanzierbarkeit und dem Wunsch nach schonendem Umgang mit Natur und Mensch nicht ausgeräumt werden konnten.
Präambel 1: Die Einbindung in das Netz der regionalen Straßen ist gut. Es bedarf aber einer integrierten innerstädtischen Verkehrslösung für die Verbindung der Stadtteile untereinander und für die Situation innerhalb der Stadtteile.
Präambel 2: Im Sinne der Umweltverträglichkeit aber auch zur Stärkung der Wirtschaft gilt es für alle Verkehrssysteme das Angebot zu optimieren; der Umweltverbund (ÖPNV, Rad, Fuß) hat dabei in Stutensee Priorität.
Präambel 3: Die Sicherheit für die "schwachen" Verkehrsteilnehmer (Fuß und Rad) hat in der Stadtentwicklungsplanung eine vorrangige Bedeutung, insofern ist der Straßenraum wieder als Aufenthaltsfläche und Lebensraum begreifbar zu machen.
Ziel 1: Zur Erleichterung der innerstädtischen Beziehungen sind die direkten Verkehrsverbindungen zwischen den Stadtteilen für alle Verkehrsmittel des Umweltverbundes zu attraktivieren bzw. herzustellen.
Ziel 2: Die Stadtbahn von Blankenloch nach Friedrichstal/Spöck ist ein vorrangiges Ziel. Dabei sind die Wege zu den bestehenden und geplanten Haltestellen zu optimieren.
Ziel 3: Die Stadtbahn ist das Rückgrat des städtischen ÖPNV. Als Ergänzung sollen Busse die flächenhafte Erschließung ermöglichen. Hier soll geprüft werden, ob ein völlig neu konzipierter Stadtbusverkehr eingerichtet werden kann.
Ziel 4: Die regionale Einbindung von Stutensee im ÖPNV soll weiter ausgebaut werden. Insbesondere für Staffort ist die Anbindung an die Stadtbahn zu sichern.
Ziel 5: In den Schwachlastzeiten muss ein ÖPNV-System geschaffen werden, z.B. Anrufsammeltaxi (AST), Rufbus, etc., damit in Stutensee Verbindungsmöglichkeiten zwischen den Stadtteilen bestehen.
Ziel6: Das Radwegenetz besitzt ein umfangreiches Angebot. Dieses muss auf Schwachstellen, Qualität und Sicherheit überprüft werden. Ein schlüssiges Gesamtnetz für Stutensee und für jeden Stadtteil ist zu entwickeln und auszuweisen.
Ziel 7: Zur Reduzierung der Verkehrsbelastung sind integrierte Konzepte für Stutensee zu entwickeln.
Ziel 8: Im Zuge der Hauptstraße in Blankenloch ist die bestehende Situation städtebaulich verträglicher zu gestalten, das Miteinander von KFZ-Verkehr, Stadtbahn, Fahrrad und Fußgänger muss einvernehmlich gestaltet werden.
Ziel 9: Ein stationäres Parkleitsystem ist für Blankenloch bereits ausgehend von den regionalen Straßen zu entwickeln.
Ziel 10: Zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes sind die Fernanbindungen für den motorisierten Individualverkehr in Stutensee zu verbessern. Es sollen die Konsequenzen neuer Autobahnanschlüsse für Stutensee geprüft werden, um weitere Schritte einleiten zu können.