AGENDA 21- Projekt

Umwelt mit allen Sinnen begreifen


Die Idee

Ausgehend von den Vorgaben und dem Grundgedanken, im kommunalen Umwelt- und Naturschutz auf Nachhaltigkeit der Auswirkungen zu setzen, wurde innerhalb der Stadtverwaltung die Idee geboren, ein umfassendes Projekt zur Umweltbildung zu entwickeln und durchzuführen. Als Zielgruppe wurden die Schulkinder in Stutensee ausgewählt, speziell die 8- bis 15-Jährigen aufgrund der Strukturierung des Projekts.

Grundlegende Idee war, den Kindern ihren Lebensraum Stutensee im wahrsten Sinne des Wortes "begreifbar" zu machen. Mit ihren eigenen Händen und allen Sinnen sollten sie ihre natürliche Umwelt erleben und die einzelnen natürlichen Lebensräume kennenlernen. Auf dem Gemarkungsgebiet vorkommende Naturmaterialien sollten be- und zu neuen Produkten verarbeitet werden. So sollten sie einen Einblick in natürliche Stoffkreisläufe Als Medium für die durch die Kinder zu machenden Erfahrungen dienten in erster Linie vorgeschichtliche (jungsteinzeitliche) landwirtschaftliche Techniken und Verhaltensweisen.

Das Projekt lief über das ganze Jahr 1998 und war durch die Jahreszeiten vorgegeben.


Das Projekt:

  1. Als Hauptzielgruppe wurden Kinder und Jugendliche gewählt, da sich alle heutigen Maßnahmen und Handlungen unmittelbar auf ihr künftiges Leben auswirken. Die Kinder von heute sind die mündigen Bürger von morgen, die in einigen Jahren im Berufsleben stehen und politische Entscheidungen mittreffen werden.
    Die Wahl dieser Zielgruppe erscheint auch notwendig, da nachweisbar ist, dass bestimmte Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen, die für frühere Generationen ganz selbstverständlich waren bzw. sind, bei der heutigen Kindergeneration nur noch rudimentär vorhanden sind. Wie soll beispielsweise ein künftiger Stadtrat aus der heutigen Kindergeneration objektiv über einen Flächennutzungsplan mitentscheiden, wenn er eine Wiese nicht mehr von einem heranwachsenden Getreidefeld unterscheiden kann?
  2. Großveranstaltungen wie die Stutenseer Umwelttage waren zwar ein Erfolg mit überregionaler Beachtung, jedoch mit dem Manko, dass es an Nachhaltigkeit mangelte. In der heutigen schnelllebigen Zeit werden auch solche Veranstaltungen nur "verkonsumiert". Das Ziel der nachhaltigen Bewusstseinsbildung auf breiter Front kann somit nicht optimal erreicht werden. Kinder lassen sich dagegen sehr leicht begeistern und legen bei richtiger Ansprache eine erstaunliche Konzentration und Beharrlichkeit an den Tag. Positive Eigenschaften wie Fingerfertigkeit, Geduld und Ausdauer werden trainiert, daneben erweitert sich der Bildungshorizont und durch das naturbezogene Schaffen wird der ökologische Sinn nachhaltig geschärft.
  3. In das Projekt konnten umfangreiche Erfahrungen der Verwaltung und Dritter miteinfließen. Aufgrund kleinerer Projekte in den vergangenen Jahren an einzelnen Schulen oder im Rahmen des Ferienprogramms waren die teilnehmenden Lehrkräfte schon "praktisch" vorinformiert.
  4. Als Medium zur Vermittlung der Projektinhalte wurden jungsteinzeitliche Techniken gewählt, da sich diese als sehr zugkräftig herausgestellt haben.
  5. Außerst förderlich war die spontane Bereitschaft aller Stutenseer Schulen, bei dem Projekt mitzuwirken.

Das Projektjahr begann mit der Beschaffung von Hölzern aus den heimischen Wäldern. Mit diesem Material wurden anschließend Geräte zur Bodenbearbeitung hergestellt (Hakenpflüge, Furchenstöcke). Anfang bis Mitte März wurden die von ortsansässigen Landwirten und Bürgern zur Verfügung gestellten Ackerflächen (beim Schloss Stutensee, in Blankenloch und in Büchig) mit diesen Geräten bearbeitet. Anschließend erfolgte per Hand die Aussaat von Getreide (Dinkel, Emmer, Buchweizen) und Faserpflanzen (Flachs, Hanf). Selbst hergestellte Zäune aus Weiden schützten die Ackerflächen. Der Aufwuchs des Getreides wurde beobachtet und dokumentiert, ebenso das Aufkommen von Wildkräutern. Bis zur Ernte fertigten die Kinder hierfür geeignete Geräte (Sicheln, Erntemesser) aus einheimischen Hölzern und Feuerstein. Zeitgleich wurden Lehmkuppelöfen gebaut. Das geerntete Getreide wurde gedroschen, entspelzt und auf Schiebemühlen aus Stein zu Mehl vermahlen. Mit diesem Mehl wurden Brote hergestellt und in den Öfen oder auf heißen Steinen gebacken. Sämtliche Arbeitsschritte wurden dokumentiert und im Rahmen von Projekttagen der Öffentlichkeit vorgestellt.