„Menschenrechte für Alle!“ – Das Motto der Internationalen Wochen gegen Rassismus in diesem Jahr ist wichtiger und bedeutender denn je


In Stutensee haben sich Jung und Alt mit dem Thema „Menschenrechte für Alle!“ beschäftigt

In allen drei Stadtbibliotheken hatten Kinder die Gelegenheit, mit dem Kamishibai-Erzähltheater Bilderbücher passend zum Thema kennenzulernen. Außerdem hatte die Stadtbibliothek Blankenloch eine Auswahl an Büchern für Groß und Klein, die sich mit Rassismus beschäftigen, ausgestellt. Die Bücher sind jetzt auch wieder für alle ausleihbar.

Auch die beiden Bücher von Florence Brokowski-Shekete kann man sich in den Stadtbibliotheken ausleihen. Die Autorin war auf Einladung der Stadt in der Mensa des Schulzentrums mit ihren Büchern „Mist, die versteht mich ja – aus dem Leben einer Schwarzen Deutschen“ und „Raus aus den Schubladen! – mein Gespräch mit Schwarzen Deutschen“ zu Gast. Die Zuschauer erhielten Einblick in die Biographie von Frau Brokowski-Shekete, die mit ihrer sehr angenehmen Stimme von ihren Erfahrungen als Kind in Deutschland, ihrem Leben bei Pflegeeltern, ihrer Zeit mit ihren Eltern in deren Heimatland erzählte. Erst in der Schulzeit wurde sie auf ihre Hautfarbe angesprochen, sodass ihr dies dann erst bewusst wurde. Man erfuhr, mit welchen Vorbehalten, Vorurteilen sie als junge Erwachsene bei ihrer Berufs- bzw. Studienwahl zu kämpfen hatte und wie sie damit umgegangen ist. Sie nahm die BesucherInnen mit, indem sie ihnen ihre Sichtweise auf das Verhalten von Mitmenschen auf ihrem Lebensweg widerspiegelte. Nach ihrer Auffassung hängen das „fremd sein“ auch sehr mit der kulturellen Identität zusammen.

Florence Brokowski-Shekete steht vor dem PublikumDie gelesenen Passagen ihres zweiten Buches nahmen unterschiedliche schwarze Menschen aus unterschiedlichen Professionen in den Blick und deren Erfahrungen in Deutschland. Die Lesung war trotz des ernsten Themas des Rassismus unterhaltend und auch humorvoll. Im Austausch mit der Moderatorin und auch einzelnen BesucherInnen zeigte sich, wie wichtig und wertvoll solche Veranstaltungen und das Beschäftigen mit dem Thema Rassismus und Ausgrenzung ist. Dabei gab es auch praktische Tipps zu Materialien in Schulen und Kitas, wie beispielsweise das Buch „Gib mir mal die Hautfarbe“, die bereits Kinder in Kitas an das Thema heranführen (auch dieses Buch kann man in der Stadtbibliothek ausleihen). Dabei geht es nach Meinung der Autorin nicht ausschließlich um das Umschreiben von Büchern, sondern um das Nutzen von alternativer und diverser Literatur oder Materialien. Institutionen sollten ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellen und sich durch Fortbildungen immer wieder mit den Themen beschäftigen – und zwar in allen Hierarchien. Durch den Abend führte Natalie Steiner von der Migrationsberatungsstelle der Caritas Ettlingen und wurde von der Tontechnik AG des Thomas-Mann-Gymnasiums technisch unterstützt. Die Bücher konnten am Abend auch über die örtliche Buchhandlung erworben werden. Sehr gerne signierte Frau Brokowski-Shekete die Bücher im Anschluss an die Lesung.

Der ökumenische Gottesdienst in der kath. Kirche St. Josef bildete den Auftakt der Aktionswoche mit musikalischer Unterstützung der Gruppe „Aufwind“. Pfarrer Jörg Seiter und Gemeindereferent Sebastian Kraft beleuchteten das Misereor-Hungertuch und luden auch die Gemeinde ein, sich aktiv im Rahmen des Gottesdienstes mit den Menschenrechten auseinanderzusetzen.

Während der Aktionswochen gab es unterschiedliche Aktionen in Schulen und Kitas und auch bei den Pfadfindern Stamm Adler in Spöck. In der Kita „Zauberwald“ traf man auf buntes und vielfältiges Zusammensein im Elterncafé vor der Kita mit buntem Büfett, Begegnung und Tanz. In der Kita konnten sich die Eltern in einer kleinen Ausstellung erleben, was ihre Kinder während der Aktionswochen gemeinsam gearbeitet hatten. Da gab es Kreatives zu Menschenrechten, Ausstellung zu verschiedenen Ländern und vieles mehr. Auch Kinder an der Drais-Grundschule Staffort haben sich in Aktionen mit den Menschenrechten auseinandergesetzt und gestalterisch umgesetzt.

„Schutz vor häuslicher Gewalt“ wurde im Welt Frauen Café im Mehrgenerationenhaus Bürgerwerkstatt Stutensee e. V. durch eine Vertreterin der Frauenberatungsstelle mit den Besucherinnen beleuchtet. Durch einen Kurzvortrag erläuterte Frau Stihler, was alles unter den Begriff „häusliche Gewalt“ fällt, wie viele Frauen in Abhängigkeit geraten und was man tun kann, um aus Situationen bzw. Beziehungen mit häuslicher Gewalt herauszukommen. Dabei können Menschen, die Betroffene kennen oder einen Verdacht haben, eine Hilfe sein, indem sie Informationen von Anlaufstellen weitergeben können. Der „Verein zum Schutz misshandelter Frauen“ ist neben der Hilfe für Betroffene auch präventiv mit Informationsveranstaltungen aktiv. Die Macher des Weltfrauencafé freuen sich über neue Besucherinnen. Es ist ganzjährig mittwochs (außer in den Ferien) von 14:30 bis 17 Uhr für alle Frauen aus allen Ländern mit und ohne Kinder geöffnet. Nächster Café-Nachmittag ist nach den Osterferien am 10. April. Herzlichen Einladung dazu!

Der Heimat- und Museumsverein Blankenloch/Büchig hatte in Kooperation mit der evang. Michaelisgemeinde zu einem Konzert mit der Gruppe StetlTov geladen. Klezmermusik, die aus unterschiedlichsten Gebieten und Menschen geprägt ist, steht hier ebenso für Vielfalt und ein Miteinander von Kulturen und Herkünften. Den Konzertbesuchern wurde ein vielseitiger, emotionaler musikalischer Abend geboten. Musik galt hier als verbindendes Element. Gruppe StetlTov gibt ein Konzert in der evangelischen Michaeliskirche in Blankenloch

Ebenfalls musikalisch gingen die Aktionswochen im GrauBau Samstag mit einem Konzert zu Ende. Außerdem konnte man an zwei Donnerstagen zum Thema passende Filme im GrauBau besuchen. Und auch der „Menschenrechte-Cube“ mit der Vertonung der Menschenrechte durch Stutenseer – auch in verschiedenen Sprachen – hatte an verschiedenen öffentlichen Orten dazu eingeladen, sich mit den Menschenrechten zu befassen. Wie viele Menschenrechte gibt es denn? Welche Menschenrechte kennen wir?

In den Räumen der Flüchtlingshilfe Stutensee e. V. im alten Rathaus in Blankenloch konnten in einer kleinen aber feinen Kunstausstellung Bilder betrachtet werden, die von einer Afghanin im gemeinsamen Tun mit einer Ehrenamtlichen in den letzten Monaten entstanden sind. Hier wurde teilweise auch die eigene Fluchtgeschichte thematisiert. Die Flüchtlingshilfe bietet donnerstags eine regelmäßige Tee- und Spielstube. Vielleicht möchten Sie hier vorbeischauen?

In Zeiten wie diesen gilt es, das ganze Jahr über an den Themen wie Menschenrechte, Rassismus, Demokratie zu bleiben und daran zu arbeiten. Die alljährlichen Internationalen Wochen gegen Rassismus geben hier einen verbindenden Rahmen, bei dem sich die Institutionen noch intensiver und mit einem bestimmten Motto beschäftigen können. Auch in Stutensee wurde wieder deutlich, dass es Menschen und Institutionen gibt, die sich hier kreativ, musikalisch – für andere und mit anderen für die Themen einsetzen und das Thema durch ihr Engagement oder den Besuch von Veranstaltungen sichtbar machen.

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