Gemeinderat stimmt für nachhaltige Waldbewirtschaftung

Natur & Umwelt

Umsichtige Bewirtschaftung als Garant für einen klimastabilen, naturverjüngten und zukunftsfähigen Naherholungswald

In seiner letzten öffentlichen Sitzung vor der Sommerpause befasste sich der Gemeinderat der Stadt Stutensee im Zusammenhang mit einem Antrag aus der Mitte des Gremiums mit dem Thema der nachhaltigen Waldbewirtschaftung für den Stadtwald Stutensee. Als kompetente Ansprechpartner waren dabei auch der Forstamtsleiter des Landkreises Karlsruhe, Martin Moosmayer, Betriebsleiter Lothar Himmel sowie Revierförster Ludwig Thoma zu Gast in der Sitzung.

Vor diesem Hintergrund setzte sich das Gremium intensiv mit der grundlegenden Frage auseinander, inwieweit Forstarbeit im Stadtwald in den kommenden Jahren aktiv sein soll, um dessen optimale und nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten und zu fördern. Hierzu wurde aus der Mitte des Gemeinderates beantragt, eine Holzentnahme mit Ausnahme von Verkehrssicherungsarbeiten für die kommenden zwei Jahre zunächst auszusetzen. Der Stadtwald Stutensee hat eine Fläche von 236 Hektar und einen sogenannten Nachhaltigkeitshiebsatz von 955 Erntefestmetern – kurz Efm - Holz pro Jahr, wovon rund ein Drittel für die Brennholzversorgung der Stutenseerinnen und Stutenseer genutzt wird. Des Weiteren sind rund 60 Hektar des Stadtwaldes Stutensee vom Eschentriebsterben sowie 16 Hektar Kiefernmischbestände von Schädlingen betroffen. Dort entstehende Lücken nach dem Absterben von Bäumen werden suzkessive mit neuen, klimastabileren Baumarten bepflanzt: In den vergangenen vier Jahren wurden dabei über 8.000 Pflanzungen vorgenommen, allein in diesem Jahr sind weitere 4.000 Stück vorgesehen, um den Wald möglichst rasch zukunftsfähig zu machen.

Eine Stilllegung beziehungsweise Aussetzung der Bewirtschaftung würde demzufolge die Verbreitung von und Schädigung durch invasive Pflanzenarten, sogenannten Neophyten, begünstigen, welche sich zu Lasten heimischer Baumarten und Sträucher ausbreiten könnten. Zudem würde eine jagdliche Nutzung erschwert werden. Darüber hinaus würde der Naherholungsfaktor durch geringere Begehbarkeit geschmälert sowie Verkehrssicherungs- und Haftungsrisiken gesteigert. Schließlich könnten vom Eschentriebsterben betroffene Waldabschnitte sowie infolge der Klimaerwärmung geschädigte Kiefern-Mischbestände absterben und in sich zusammenbrechen, ohne dass durch Nachpflanzungen ein neuer Wald aufgebaut würde. Des Weiteren erfüllt der Stadtwald Stutensee durch diverse Habitate und Waldbiotope wichtige Naturschutzfunktionen. Bei einer Stilllegung würden damit alle Biotope und Lebensräume, die eine kontinuierliche jährliche Pflege verlangen, beeinträchtigt. Außerdem müsse bei einer Wiederaufnahme der Bewirtschaftung mit stark gesteigerten Kosten gerechnet werden. „Wir müssen (nur) da eingreifen und mit Pflanzungen arbeiten, wo die Selbstheilungskräfte der Natur den sich verschlechternden klimatischen Bedingungen nicht Stand halten“, eine aktive Steuerung sei insoweit unverzichtbar, wie Forstamtsleiter Martin Moosmayer betonte.

„Der Stadtwald Stutensee bietet gute Voraussetzungen für die bereits praktizierte naturnahe Waldbewirtschaftung. Der bei flächendeckenden Begehungen erarbeitete planmäßige Holzeinschlag beziehungsweise Hiebsatz für das Forsteinrichtungswerk 2017, welches bis 2027 Gültigkeit hat, beläuft sich für diese zehn Jahre auf insgesamt rund 9.500 Festmeter“, erklärte der Forstamtsleiter. 42 Prozent seien davon bereits vollzogen, wobei zwischen planmäßiger und zufälliger Nutzung unterschieden werden müsse. Zufällige Nutzung ist die durch Schadereignisse bedingte Holznutzung. Diese beträgt in Stutensee seit der Forsteinrichtung 2017 76 %, ein planmäßiges Wirtschaften sei daher kaum möglich. „Wir müssen hier bedarfsgerecht und anhand der jeweiligen Entwicklung reagieren statt agieren zu können“, so Moosmayer. Dies verdeutlichte der Forstamtsleiter am Beispiel des Lachwalds: Der Einschlag liege zwar auf dem Niveau der Planung allerdings seien 685 Festmeter des erfolgten Einschlags zufällige Nutzung gewesen, die planmäßige Nutzung beschränke sich auf lediglich 46 Festmeter.

Bei der Steuerung und Bewirtschaftung kommen je nach Anforderung auch Forstmaschinen zum Einsatz. Dabei wurde diskutiert, ob dies nicht künftig durch sogenannte Rückepferde erfolgen könne. Hierzu wurde veranschaulicht, dass der Bodendruck von Forstmaschinen sich aus der Kombination von Reifenbreite und Luftdruck des eingesetzten Geräts zusammensetze. Da mittlerweile nur noch Maschinen mit sechs oder acht Breitreifen und Niedrigdruck eingesetzt werden, sei deren Bodendruck punktuell geringer als der von Rückepferden. Der Einsatz von Arbeitsmaschinen sei darüber hinaus zum Teil aufgrund der Schädigungen der Bäume geboten. Nur so könne der Verkehrssicherung und der Arbeitssicherheit Rechnung getragen werden. Forstarbeitende könnten anderenfalls bei den Arbeiten Gesundheitsschädigungen erleiden, etwa durch das Einatmen von Pilzsporen, die in jüngster Zeit die Ahornrußrindenkrankheit hervorgerufen haben. Des Weiteren sei der Einsatzbereich der Pferde auf schwaches Holz begrenzt, wobei der Bodendruck durch Rückepferde lediglich ein punktueller sei. In der kommenden Holzeinschlagsaison wird ein Pferderücker mit seinem Pferd einen Einsatz dem Gemeinderat vorführen, wie dies auch beispielhaft in Karlsruhe geschehen ist.  Vor diesem Hintergrund sprach sich der Gemeinderat mehrheitlich gegen eine Aussetzung der Bewirtschaftung, für die Fortsetzung einer nachhaltigen Holzentnahme und den bedarfsgerechten Einsatz von Forstmaschinen aus.

„Unser Ziel ist es, den Stutenseer Wald für die kommenden Generationen zu erhalten“ betonte Oberbürgermeisterin Petra Becker.  Die Waldbewirtschaftung müsse passgenau erfolgen, kein Maschineneinsatz ohne Notwendigkeit. „Es bestehen bereits heute naturnahe Konzepte zur Waldbewirtschaftung, welche im Stadtwald Stutensee aktiv umgesetzt wurden und werden“. Artenvielfalt und Biotope unterstreichen dies. Ganz entscheidend sei dabei auch, dass die Bürgerinnen und Bürger den Erholungswald auch als solchen nutzen könnten, so die Oberbürgermeisterin. Neben den regelmäßigen Waldbegehungen durch die Ortschaftsräte ist für die Zukunft auch geplant, Begehungen im Stadtwald Stutensee für einen größeren Personenkreis Interessierter durchzuführen. Für das Spätjahr sprach sich das Gremium darüber hinaus und auf Initiative der Verwaltung auch für eine Informations- und Dialogveranstaltung zur Waldbewirtschaftung aus.

Der Gemeinderatsbeschluss im Wortlaut kann im Ratsinformationssytem unter der entsprechenden Ebene nachvollzogen werden.